Berichte

Jahresbericht des Präsidenten der 38. GV vom 11. August 2020

Sehr geehrte anwesende Genossenschafterinnen und Genossenschafter,

Sehr geehrte Gäste,

An einer Sitzung anfangs Juni hat der Vorstand entschieden, die Generalversammlung nicht auf schriftlichem Weg durchzuführen, sondern mit persönlicher Teilnahmemöglichkeit der Genossenschafter, sobald die Gesetzlage dies erlauben würde. Nun, drei Monate später als üblich, sind wir hier versammelt und es freut uns sehr, dass sie hierhergekommen sind.

Weil unser Netz perfekt gewartet wird und unser Dienstprovider UPC seine Arbeit bestens geleistet hat, gab es im vergangenen Geschäftsjahr keine signifikanten Störungen, die erwähnenswert wären. Insbesondere während des Lockdowns, als das Netz stärker beansprucht wurde als üblich, zeigte sich, wie robust das Netz und wie gut organisiert die am Betrieb und Wartung beteiligten Unternehmen sind.

Dies veranlasst mich, den Dank, der normalerweise am Schluss des Jahresberichtes kommt, schon jetzt auszusprechen. Der Firma Schläpfer Radio und Television und auch der UPC gebührt für ihr Engagement und die stets gute Zusammenarbeit ein herzliches Dankeschön.

Das letzte Geschäftsjahr war auch geprägt von vielen Bauvorhaben, die z.T. noch nicht abgeschlossen sind. Wie alle im Dorf sehen können, werden gerade viele Strassen saniert. Das ergibt für uns immer wieder Gelegenheiten, unsere Rohr- und Kabelanlage zu erweitern bzw. zu optimieren. Die AGW hat sich an folgenden Bauarbeiten beteiligt:

  • Steineggstrasse
  • Fussgängerübergang in Gundetswil
  • Hauptstrasse Attikon
  • Lüssweg
  • Leingrüeblerstrasse
  • Hausackerstrasse
  • Wybergstrasse

Es gibt noch ein paar andere Bauvorhaben, bei denen die AGW allerdings keinen Bedarf angemeldet hat. Wir beteiligen uns nur an Bauten, wo wir mittel- und langfristig einen grossen Nutzen erwarten.

Was die Anzahl Genossenschafter bzw. Kunden betrifft, so wurde der Rückgang stark gebremst. Abgänge werden durch Neukunden kompensiert, die natürlich wegen des besseren Preis-/Leistungsverhältnis unserer Angebote zu uns kommen. Die dazugehörige Grafik sieht folgendermassen aus:

Betreffend Werbemassnahmen haben wir im letzten Jahr unsere Erscheinung nochmals etwas erhöht. Im «Wisidanger» sind wir mit zwei Inseraten vertreten, eines mit der Promotion von UPC-Angeboten, das andere als reine Imagewerbung der AGW. Der Vorstand hat zudem beschlossen, einen Teil des Werbebudgets als Sponsoringbeitrag zu verwenden. Gespräche mit Vereinen sind im Gang. Dieser Beitrag soll uns als im Dorf verankerte, sympathische Genossenschaft bekannter machen.

Der Vorstand wurde von der Generalversammlung beauftragt, einen Master- und einen Businessplan ausarbeiten zu lassen.

Der in Auftrag gegebene Masterplan wurde letzten Herbst fertiggestellt. Der Plan stützt sich auf einer ausführlichen Analyse des jetzigen Netzausbaus. Der ganze Bestand an Rohren, Schächten, Kabinen, Kabel wurde durchleuchtet. Davon abgeleitet entstand der belastbare Entwurf eines Zonenplans inkl. Zeitplan für die Umsetzung des Bauvorhabens.

Der Plan sieht vor, dass alle Glasfasern von den Liegenschaften zu einem Lokal im Keller des Gemeindehauses führen. Dieses Lokal haben wir bereits zu sehr interessanten Konditionen gemietet. Während der Bauten an der Schulstrasse, die letzten Herbst stattfanden, haben wir zudem mehrere Rohre von der Schulstrasse zu diesem Lokal verlegen lassen, damit die Glasfaserkabel hineingeführt werden können. Damit sind wir für allfälligen Start des Ausbaus bestens gerüstet; besser hätte es nicht kommen können.

Die Kosten für den Bau des Netzes sehen zusammengefasst folgendermassen aus:

Kosten zu kalkulieren ist immer einfacher als Einnahmen abzuschätzen. Wir haben dies aufgrund unserer aktuellen Kenntnisse – hervorgegangen aus vielen Diskussionen mit verschiedenen Playern – gemacht und einen sogenannten «Business Case» erstellt. Wir sind der Ansicht, dass sich der Bau eines solchen Netzes innerhalb von – wenn’s ganz gut geht – 12 Jahren bis – wenn’s nicht so optimal verläuft – 15 Jahren amortisieren lässt.

Damit das Vorhaben gelingt, müssen wir natürlich auch Dienstprovider auf das neue Netz bringen. Für diese ist es nur dann interessant, ihre Signale auf das Netz zu bringen, wenn wir dieses innert möglichst kurzer Zeit vollständig realisieren, damit sie schnell möglichst viele Kunden bedienen können. Dies bedeutet, dass das Projekt zu Beginn, also in den Jahren des Baus, viel mehr kostet, als die AGW einnehmen kann, was wiederum bedeutet, dass es ohne die Aufnahme von Krediten unmöglich ist, das FTTH-Netz zu realisieren.

Also machten wir uns auf die Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten. Ausgerüstet mit Masterplan und «Business Case» haben wir das Gespräch mit dem Gemeinderat gesucht. Unser Anliegen war es, dass uns die Gemeinde entweder ein zinsloses oder zinstiefes Darlehen gibt oder bei einem Kreditgeber für uns bürgen würde. Der Gemeinderat hat dies abgelehnt und legt der AGW nahe, private Investoren für die Realisierung des FTTH Netzes zu suchen, z.B. «Swiss Open Fibre».

Vom Projekt «Swiss Open Fibre» haben wir selbstverständlich auch gehört. Es war uns – dem Vorstand der AGW – aber ein Anliegen, der Gemeinde als Erste die Gelegenheit zu geben, sich dafür einzusetzen, dass ihre Bewohner eine überaus wichtige Infrastruktur erhalten. Sie hat nun diese Chance verspielt.

Den Kontakt zu «Sunrise» bzw. zum Projektverantwortlichen von «Swiss Open Fibre» haben wir hergestellt. Unser Interesse ist angemeldet und erste Gespräche und Vertragsverhandlungen sind für nach den Sommerferien geplant. Es muss gesagt werden, dass die eidgenössische Wettbewerbskommission das Projekt, das die beiden Mitbewerber «Sunrise» und «Salt» zusammen stemmen wollen, noch genehmigen muss. Diese Genehmigung soll aber angeblich nur Formsache sein und in Bälde erfolgen.

Wenn das Projekt «Swiss Open Fibre» starten kann und es den Verantwortlichen tatsächlich gelingt, in wenigen Jahren – nebst den paar grösseren Städten, die FTTH bereits eingeführt haben – zusätzliche 1.5 Millionen Haushalte mit bester Breitbandtechnologie auszustatten, dann dürfen wir in Wiesendangen nicht aussen vor stehen und eine Insel bilden, auf der nur Swisscom (mit schwachem FTTS) und UPC (über unser HFC-Netz) ihre Dienste anbieten. Daraufhin arbeiten wir.

Weil die AGW beste Voraussetzungen für den raschen Ausbau eines FTTH Netzes mit sich bringt, stehen die Chancen sehr gut, dass wir zu den ersten gehören würden, die unter dem Dach von «Swiss Open Fibre» loslegen könnten.

Nochmals zur Rekapitulation, was uns ein «open access» FTTH Netz bringen würde:

  • Einführung der schnellsten und führendsten Breitbandtechnologie
  • Zulassen vieler Provider auf dem Netz, d.h. grössere Angebotspalette für die Kunden
  • Günstigere Abonnements für die Kunden aufgrund des Wettbewerbs unter den Providern

Eine Beteiligung am Projekt «Swiss Open Fibre» würde uns nicht nur einen Investor bringen, sondern automatisch – nebst «Sunrise» und «Salt» – zusätzliche Provider mit interessanten Angeboten. Wir müssten nicht selber mit allen möglichen Providern bilaterale Vertragsverhandlungen führen. Im Internet kann man die aktuellen Angebote und Preise der Provider einsehen und vergleichen.

Ein wichtiger Aspekt der möglichen Zusammenarbeit der AGW mit «Swiss Open Fibre» ist, dass die Rohranlagen, Schächte, Kabinen etc. weiterhin im Besitz der AGW verbleiben würden. Der weitere Ausbau dieser Anlagen würde weiterhin von der AGW bestimmt. Die Nähe zu den Kunden, was die Erschliessung der Liegenschaften betrifft, soll ja nicht verspielt werden.

Zum Schluss meines Jahresberichtes möchte ich nun Ihnen, verehrte Anwesende, aufrichtig für Ihr Kommen und Ihr Interesse danken. Es ist nicht selbstverständlich, dass man sich die Zeit für einen solchen Anlass nimmt. Die auf diese Weise gezeigte Wertschätzung unserer Arbeit freut uns sehr.

Ebenso möchte ich mich bei meinem Team, den Vorstandskollegen und Revisoren, herzlich für Ihre Arbeit danken. Es ist ihr Engagement, das mich motiviert, weiterhin mit Freude dieses Amt auszuführen.

Damit schliesse ich meinen Bericht und stehe Ihnen für allfällige Fragen jetzt, nach der GV oder zu jedem anderen Zeitpunkt gerne zur Verfügung.

Oskar Persano

Präsident agw-digital vernetzt

Hier der Link zum Bericht und Jahresrechnung